Zirkon
Die klinisch überzeugende Antwort auf den Patientenwunsch nach schönen Zähnen von Dr. Sigmar Schnutenhaus und ZTM Hans-Werner Pauli
Eine allmähliche Abnutzung vorhandener Restaurationen fällt dem Patienten häufig erst dann auf, wenn er seine persönliche Erscheinung als insgesamt beeinträchtigt empfindet. Für eine ästhetisch ansprechende Neuversorgung ist heute der Werkstoff Zirkonoxid erste Wahl. Wie damit selbst umfangreiche Sanierungen routiniert vorgenommen werden können, sei hier an einem Beispiel demonstriert.
Die Patientin stellte sich mit dem Wunsch nach „schönen Zähnen“ in der Praxis vor. Ihr Gebiss wies zu Beginn der Behandlung zahlreiche Restaurationen auf, wobei der Front- bzw. Prämolarenbereich mit VMK-Arbeiten und der Molarenbereich mit unverblendeten Kronen bzw. Brückengliedern aus hochgoldhaltiger Legierung versorgt waren. Im Einzelnen waren im Oberkiefer beide 2er überbrückt (11-13 und 21-23). Hinzu kamen vier metallkeramische (14, 15, 24 und 25) sowie drei unverblendete Kronen (16, 26 und 27). Die Kronen an 16 und 26 sowie 15 waren in Folge von endodontischen Behandlungen durch Wurzelstifte stabilisiert.
Im Unterkiefer trugen die Zähne 47 und 46 Kronen aus hochgoldhaltiger Legierung; der endodontisch vorbehandelte und mit einem Wurzelstift versehene 45er trug eine VMK-Krone. Auf der linken Seite fehlten 36 und 37. So war eine von drei Pfeilern (34, 35 und 38) gestützte Brücke eingesetzt worden, wobei in den Pfeilerzahn 35 zur Stabilisierung ein Wurzelstift eingebracht worden war. In der Front waren lediglich an 33, 43 und 44 kleinere Defekte mit Komposit behoben worden, während die Schneidezähne klinisch intakt waren.
Therapieplanung und -durchführung
Die freiliegenden Kronenränder und die nach längerer Tragezeit insgesamt abgenutzten Restaurationen machten eine, zumindest teilweise, Neuanfertigung nötig. Aufgrund des Wunsches der Patientin nach einer ästhetischen Rehabilitierung bot sich von vorneherein eine komplett vollkeramische Sanierung an – zumal, wie sich im Beratungsgespräch herausstellte, aus Sicht der Patientin auch ihre schlechten Erfahrungen mit metallischem Geschmack und Kalt-Warm-Empfindungen dafür sprachen.
Aufgrund der fast kompletten Neuversorgung des Gebisses und der Erneuerung einer Seitenzahnbrücke, fiel die Entscheidung auf den Werkstoff Zirkonoxid (Cercon smart ceramics, DeguDent, Hanau). Unter den verfügbaren Dentalkeramiken weist nur er die nötige Festigkeit auf.
Die Präparation erfolgte jeweils werkstoffgerecht unter Anlegen einer Hohlkehle. Teilweise wurde aufgrund des starken Zerstörungsgrades eine chirurgische Kronenverlängerung vorgenommen.
Die gefrästen Zirkonoxidgerüste wurden zur Bisskontrolle unter Verwendung von Pattern Resin einprobiert. Nach der Verblendung erfolgte die definitive Eingliederung unter Verwendung eines Adhäsivs
Zahntechnische Ausführung
Fast alle Kronen- und Brückengerüste wurden im zahntechnischen Labor unter Verwendung eines Laserscanners konstruiert, anschließend aus einem Zirkonoxidrohling herausgefräst und schließlich im Ofen (Cercon heat) gesintert.
Diskussion
Die Patientin zeigte sich mit dem ästhetischen Ergebnis zufrieden. Die eingesetzten Neuversorgungen weisen ein harmonisches Gesamtbild auf, wobei lediglich die verfärbten Zahnhälse der unteren Schneidezähne eine gewisse Beeinträchtigung darstellen könnten. Sie sind jedoch beim Lächeln nicht sichtbar, und da sie klinisch nicht behandlungsbedürftig waren, wurde auf weitere Maßnahmen verzichtet.
Bei der Herstellung der einzelnen Restaurationen hat sich das verwendete Zirkonoxid-Vollkeramik-System als flexibel erwiesen . Über die Ästhetik hinaus stellt die besondere Gingivafreudlichkeit von Zirkonoxid ein weiteres Argument für die Anwendung dieser Keramik dar.
Schlussfolgerung
Selbst umfangreiche ästhetische Sanierungen können heutzutage ohne weiteres vollkeramisch unter Verwendung von Zirkonoxid erfolgen. Auch bietet der Werkstoff gegenüber anderen Restaurationsmaterialien dank seiner Gingivafreundlichkeit einen weiter gehenden Schutz vor parodontalen Schädigungen, was eine bessere Prognose ermöglicht. Das klinische Vorgehen in der Praxis gestaltet sich nicht wesentlich anders als beim klassischen Edelmetall, wenn man einmal davon absieht, dass für Zirkonoxidrestaurationen die heute ohnehin immer weniger gebräuchliche Tangentialpräparation kontraindiziert ist. Allerdings sollte die Eingliederung in bestimmten Fällen adhäsiv erfolgen. Wie hier vorgeführt, stellt dies jedoch im Rahmen einer umfangreichen Neuversorgung einen relativ geringen Zusatzaufwand dar, der durch das erreichte Endergebnis mehr als gerechtfertigt ist.
